Planungen der Stadt für den Güterbahnhof irritieren KünstlerInnen


Der Artikel der Stuttgarter Zeitung vom Montag, den 06. Juni 2011 berichtet von den Plänen der Stadtverwaltung und des Gemeinderats, in den nächsten Wochen und Monaten einen neuen Anlauf nehmen zu wollen, „um eine mehrheitsfähige Antwort über die Gestaltung des neuen Stadtquartiers auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs in Bad Cannstatt zu finden.“ Schwung soll in die festgefahrene Debatte kommen – dafür sollen neue und unkonventionelle Konzepte sorgen. Ein solches hat dem Bericht der Stuttgarter Zeitung zufolge die Projektentwicklungsgesellschaft Argon zusammen mit der Architektin Sigrid Hintersteininger kürzlich im Rathaus vorgelegt. Es sieht vor, am Cannstatter Güterbahnhof in „aufgepeppten und zum kompakten Wohnmodul umgestalteten Hochseecontainern“ unter anderem Wohnraum für Studenten zu schaffen, kreatives Potential zu bündeln und ein kulturelles Angebot zu platzieren.

Wie neu dieser Nutzungsvorschlag für den Cannstatter Güterbahnhof tatsächlich ist, zeigt eine kurze Suchmaschinen-Abfrage mit den Begriffen „Cannstatter Güterbahnhof“ und „Container“: Bereits seit Anfang des Jahres planen wir ein Kunst- und Kulturprojekt in Überseecontainern am Cannstatter Güterbahnhof, da unsere Waggon-Ateliers am Stuttgarter Nordbahnhof dem Bau des Logistikzentrums für Stuttgart21 weichen müssen. Unser Konzept sieht die Ansiedlung von Atelier- und Veranstaltungsräumen im Rahmen einer containerarchitektonischen Umsetzung vor, Träger und Betreiber soll ein Kunst- und Kulturverein werden, welcher derzeit in Gründung begriffen ist. Die notwendigen Zustimmungen für das Projekt haben wir im März und April in den Ausschüssen des Gemeinderats und beim Bezirksbeirat Bad Cannstatt erwirkt. Ein wichtiger Grund für die Ansiedlung am Cannstatter Güterbahnhof ist unter anderem die besondere Lage am Güterbahnhof, die keine nachbarschutzrechtlichen Probleme erwarten lassen, welche durch den künstlerischen und kulturellen Betrieb im Falle angrenzender Wohnungsbebauung entstehen könnten. Das Entstehen von Wohneinheiten in unmittelbarer Nachbarschaft könnte dieser Grundlage den Boden entziehen.

Mit dem wachsenden Interesse der Öffentlichkeit an unseren Plänen in den letzten Monaten, vervielfachten sich auch die Anfragen von interessierten KünstlerInnen, die sich mit eigenen Konzepten vorstellten um diese in das geplante Kunst- und Kulturprojekt miteinzubringen. Einerseits bedeutet dieser rege Zulauf eine konzeptionelle und personelle Bereicherungen für unser Projekt, andererseits bedeutet er zugleich auch einen verstärkten Bedarf an Organisation und nutzbarer Fläche. In Zusammenarbeit mit dem Architkekturbüro „Plus+ Bauplanung“ und interessierten Neuzugängen haben wir zwischenzeitlich architektonische Grundkonzepte ausgearbeitet, welche einerseits eine große Vielfalt an Bedürfnissen berücksichtigen und andererseits der Geographie und den Besonderheiten des Güterbahnhofs gerecht werden. In einem Monat sollen Bauanträge eingereicht werden.

Eine gegenseitige Beeinflussung aller geplanten Konzepte und Projekte am Güterbahnhof ist, trotz großer verfügbarer Flächen, mehr als wahrscheinlich. Ob diese sich in einer positiven Wechselwirkung oder in einer gegenseitigen Beeinträchtigung äußert, hängt unserer Ansicht nach maßgeblich von der Einbeziehung all jener Parteien ab, welche an der Gestaltung des Neckarpark in den nächsten beiden Jahren beteiligt sein werden. Der Umstand, dass wir von den Plänen aus der Zeitung erfahren haben und unser Bauvorhaben am Güterbahnhof offensichtlich weder bei der Vorstellung im Rathaus, noch in der Berichterstattung der Stuttgarter Zeitung vom Montag erwähnt wurde, lässt derzeit keine Rückschlüsse auf einen sorgfältigen Umgang diesbezüglich zu. Eine Rückfrage im Rathaus brachte leider keine erhellenden Erkenntnisse, beispielsweise zur genaueren Lokalisierung des geplanten Containerdorfs. Dem Anspruch der Stadt, dem Güterbahnhof Leben einzuhauchen, kann nur dann auf verträgliche Weise nachgekommen werden, wenn es allen Protagonisten ermöglicht wird, ihre Konzepte aufeinander abzustimmen.

Der Schwerpunkt unserer Arbeit der letzten Wochen lag auf der Lokalisierung von Schnittmengen verschiedener vorgestellter Konzepte und deren Einbindung in das bestehende Konzept. In Workshops mit Plus+ Bauplanung wurde zentralen Fragestellungen nachgegangen, wie etwa der Frage nach der Positionierung zukünftiger Arbeits-, Atelier- oder Veranstaltungsbereiche auf dem Areal oder aber der Frage nach der konkreten Gestaltung der Projektbasis, welche in der ersten Bauphase umgesetzt werden wird. Mit dem Ausbau erster Containereinheiten am Güterbahnhof kann voraussichtlich in drei bis vier Monaten begonnen werden.

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